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Haltungs- und Erfahrungsbericht - L 134 - Peckoltia compta
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Beschreibung:
Pflege und Zucht von "Peckoltia compta" "L 134", "Tapajos Zebra"



Diese kleine Harnischwelsart ist vor mehr als 10 Jahren in der Juniausgabe der Datz 1993 vorgestellt und mit der L Nummer 134 versehen worden.
Die Eigenschaften äußerst hübsch, klein und friedlich ließen diese Tiere von Anfang an in der Beliebtheitsskala der Aquarianer weit nach oben schnellen und nur der anfangs enorm hohe Preis war wohl für viele ein Hindernis, den L 134 zu pflegen. Inzwischen ist der Preis aber in für L Welse übliche Regionen gesunken und gerade in letzter Zeit werden diese Harnischwelse auch im Fachhandel teilweise schon zu Discountpreisen von unter 30€ angeboten, bei privaten Züchtern natürlich dementsprechend billiger
Bleibt zu hoffen, dass dem L 134 ein ähnliches aquaristisches Schicksal wie dem bei den Aquarianern mindestens ebenso hoch im Kurs stehenden, immer noch als L 46 angebotenen, aber schon 1991 von Isbrücker & Nijssen als Hypancistrus zebra beschriebenen Zebrawels erspart bleibt. L 134 wird inzwischen zwar regelmäßig nachgezogen, die Gelege sind auch mit in Ausnahmefällen bis über 40 Eiern größer als beim Zebrawels, trotzdem kann der aquaristische Bedarf durch Nachzuchten bei weitem nicht gedeckt werden.
Da der Hypancistrus zebra, vor drei oder vier Jahren noch massenhaft importiert und zu teilweise richtiggehend erschreckenden Preisen von umgerechnet unter 20€ als Endverkaufspreis verscherbelt, inzwischen in seinem Heimatbiotop seltener geworden ist und bei uns im Handel dementsprechend die Preise wieder in Regionen zwischen 80 und 150 â‚ gestiegen sind, stürzen sich viele Aquarianer auf den ähnlich hübschen und zur Zeit ziemlich günstig zu bekommenden L 134 als „Muss Haben Fisch“. Da es sich bei den im Handel angebotenen Tieren zum allergrößten Teil um Wildfänge handelt und einerseits das Verbreitungsgebiet dieser Harnischwelse nicht besonders groß, andererseits die Reproduktionsrate eher gering ist, sind ähnliche Auswirkungen wie beim Zebrawels, bei dem inzwischen ein Fang- und/oder Exportverbot im Raum steht, zu befürchten; auch wenn in jüngster Zeit neue Vorkommensgebiete des L 134 mit Populationen von teilweise etwas anders gemusterten Tieren, mehr gepunktet als gestreift, von den Brasilianischen Aquarienfischfängern aufgesucht werden.
Höhere Endverkaufspreise und dementsprechend weniger Nachfrage der Tiere im Handel könnten relativ einfach den Druck von den Populationen nehmen, wobei natürlich nicht verschwiegen werden darf, dass die größte Gefahr für die Fische nicht der Aquarienfischfang, sondern die Biotopzerstörung in ihren Heimatländern darstellt; man denke nur an die Horrormeldungen über einen neuen Goldrausch am Rio Xingu, der Heimat des Hypancistrus zebra, ein geplantes Staudammprojekt am selben Fluss würde sicher noch verheerendere Auswirkungen zeigen.
Nun aber genug geschimpft, wie schon erwähnt, ist die Heimat des Peckoltia sp. L 134 der Brasilianische Rio Tapajos, ein südlicher Klarwasserzufluss des Amazonas. Dort kommen diese Harnischwelse in der Gegend von Pimental vor, aber nicht, wie viele andere Loricariiden, in den stark durchströmten Flussabschnitten oder gar den reißenden Stromschnellen, in Brasilien Cachoeiras genannt, sondern in seichten und ruhigeren Flussabschnitten auf ins Wasser gefallenen Hölzern. Die Tiere raspeln den Aufwuchs vom Totholz und nehmen dabei auch sicher einiges vom Holz selbst auf, was ja von vielen Harnischwelsgattungen bekannt und für deren Verdauung auch notwendig ist.
Die Wasserbeschaffenheit des Rio Tapajos ist ähnlich der des bekannteren Rio Xingu, auch sehr warm, etwa 29°C, mit nicht nachweisbarer Härte und äußerst geringer Leitfähigkeit von 10 - 20 µS/cm, der pH Wert bewegt sich in schwach sauren Bereichen von etwa 6 - 6,6. Da es sich auch beim Rio Tapajos um eine mit Stromschnellen durchsetztes und kräftig fließendes Gewässer handelt, ist der Sauerstoffgehalt des Wassers dementsprechend hoch.
Um dem „Tapajos Zebra“ im Aquarium einen seinen Bedürfnissen entsprechenden Lebensraum zu bieten, ist kein besonders großes Becken notwendig. Bereits in einem 60 cm Standardbecken kann man problemlos eine kleine Gruppe von 3 - 4 Tieren halten, wenn man bei der Beckengestaltung einige Regeln beachtet, vor allem spärlicher weiterer Fischbesatz und natürlich keine zusätzlichen Harnischwelse mit ähnlichen Lebensansprüchen. In größeren Becken steht aber einer Vergesellschaftung mit anderen Fischen aus derselben Fischfamilie nichts im Wege, genügend Platz und geeignete Beckenstrukturierung vorausgesetzt.
Weiches, aquarientaugliches Holz, wie z.B. Moorkienwurzeln oder Mangrovenholz, ist unabdingbar. Erstens benötigen es die Arten der Gattung Peckoltia, wie auch Fische der Gattungen Panaque, Panaqolus und einiger anderer, als zusätzliche Nahrung und zur Verdauung. Dabei helfen diesen Fischen spezielle Bakterien in ihrer Darmflora, welche den Holzbestandteil Lignin aufspalten können.
Des weiteren werden die Hölzer im Becken natürlich als Versteckplätze und Reviergrenzen benötigt. Die Männchen von L 134 sind untereinander nicht besonders territorial, aber trotzdem kommt es immer wieder einmal zu kleineren, harmlosen Rangeleien um die besten Plätze. In abgeschwächter Form ist dies auch bei den Weibchen zu beobachten. Neben diversen Versteckplätzen unter Wurzeln oder Steinen sind auch geeignete Höhlen als Reviermittelpunkt und vor allem Brutplatz für die Männchen wichtig.
An einem Ende geschlossene Röhren mit einem Innendurchmesser von etwa 2,5 bis 3,5 cm und einer Länge von 10 - 12 cm haben sich für diese Harnischwelsart als geeignet erwiesen. Meine Tiere zogen Röhren aus Bambus anfangs eindeutig Röhren aus Ton vor, wenn sie die Möglichkeit zur Wahl hatten, inzwischen laichen sie aber genauso in Tonröhren und es ist keine Präferenz mehr zu erkennen.
Nichtsdestotrotz weist Bambus einige Nachteile auf, nämlich, dass Röhren geeigneten Durchmessers nicht immer erhältlich sind, dass der in Gartenmärkten verkaufte Bambus eventuell mit diversen Chemikalien gegen Pilzbefall behandelt sein könnte - ich lege die zurechtgeschnittenen Bambusstücke immer längere Zeit in kochendes Wasser, bevor ich sie ins Aquarium gebe und bin bis jetzt von diversen „Bambuskatastrophen“, wie man sie zeitweise in diversen Aquaristik Foren und Newsgroups des Internets lesen kann, Gott sei Dank verschont geblieben - , dass sich manche Bambusstücke trotz Auskochens mehrere Tage gegen das Untergehen wehren und deshalb anfangs eventuell am Boden beschwert oder festgeklemmt werden müssen (seltsamerweise finden sich in vom selben Bambusstock geschnittenen Röhren manche, die sofort untergehen, während sich andere mehrere Tage dagegen sträuben); und zu guter Letzt müssen die Bambushöhlen in regelmäßigen Abschnitten ersetzt werden, da sie einerseits von den Harnischwelsen immer dünner geraspelt werden und sich andererseits auch so mit der Zeit im Wasser zersetzen. Abhängig von Wasserverhältnissen, Wandstärke und Bearbeitung durch die Fische ist dies etwa alle 8 Monate bis zwei Jahre nötig.
Tonröhren in geeigneten Abmessungen werden inzwischen schon von vielen Händlern und Hobbyisten über diverse Wege angeboten, und als weitere Möglichkeit sind sicher auch Röhren aus PVC oder selbstgeklebte Höhlen aus Schiefer oder ähnlichem Material geeignet, womit ich aber keine eigenen Erfahrungen habe
Die Beschaffenheit des Bodengrundes ist für diese Harnischwelse sicher nicht von entscheidender Bedeutung, solange er nicht scharfkantig ist; da es meine Tiere aber augenscheinlich lieben, in feinem Sand zu wühlen und sich ihre Röhren frei zu wedeln, werde ich ihnen auch weiterhin feinkörnigen Quarzsand in ihren Becken bieten.
Pflanzen werden von den L 134 meistens in Ruhe gelassen, wobei anscheinend Ausnahmen die Regel bestätigen, das heißt, ganz sicher kann man sich nie sein, dass seine wunderschönen Echinodorus oder Cryptocoryne nicht vielleicht doch einmal ein paar Löcher aufweisen. Aber damit weiß ein Harnischwelsfreund zu leben, ancistrine oder hypostomine Harnischwelse und Holländisches Pflanzenbecken sind sowieso zwei Dinge, die nicht unbedingt zusammengehören. Meine Tiere leben in einem unbepflanzten, nur ganz schwach beleuchteten und mit viel Holz und vielen Röhren versehenen Becken und fühlen sich dort augenscheinlich wohl.
Ich denke sowieso, dass man viele Verhaltensweisen und Eigenschaften dieser und auch anderer Harnischwelsarten nicht einfach verallgemeinern kann. Ebenso, wie es unterschiedliche Beobachtungen bezüglich Pflanzenverträglichkeit gibt, verhält es sich mit der Fütterung und auch mit der oft beschriebenen Scheue dieser Tiere. Meine Tiere sind, vielleicht auch deshalb, weil sie in einem Artbecken leben, sehr scheu. Man muss schon einige Zeit ruhig vor dem Becken sitzen, damit sie sich blicken lassen; auch viele andere Aquarianer berichten von ähnlichen Erfahrungen mit ihren Tieren. Daneben gibt es aber wieder Halter dieser Tiere, die sie als äußerst aktiv, durchsetzungskräftig bei der Fütterung und überhaupt nicht scheu beschreiben, eine absolute Wahrheit wird es hier nicht geben.
Ähnlich verhält es sich mit der Fütterung. Allesfresser, viel fleischliches wie Lebend- und Frostfutter, aber auch Gemüse wie Kartoffeln, Paprika und Gurke ist der allgemeine Tenor. Evers empfiehlt sogar einen Frostfutterwürfel pro Tier und Tag für den L 134. Meine eigenen Erfahrungen mit diesen Tieren sind aber gänzlich anders.
Meine ersten sechs Tiere, allesamt natürlich Wildfänge, welche ich in zwei Gruppen aus unterschiedlichen Quellen im Frühjahr und Herbst 2000 erworben habe, rührten und rühren weder Frost- noch Lebendfutter und auch keinerlei Gemüse wie Kartoffeln, Paprika und Gurken, bei den meisten anderen von mir gepflegten Harnischwelsarten übrigens sehr beliebt und deshalb auch den L 134 immer wieder einmal zur Probe vorgesetzt, an. Auch Kunstfutter wie diverse Tablettenfuttersorten und Granulate lassen sie mehr oder weniger unbeachtet. Da ich die in mein L 134 Becken gegebenen Tabletten beinahe jedes Mal am nächsten Tag von den Welsen unbeachtet und von Schnecken umlagert wieder aus dem Aquarium saugte, hatte ich die Fütterung mit der Zeit auf fast null reduziert. Den Tieren ging es augenscheinlich gut, keine eingefallenen Bäuche oder andere Anzeichen von Unterernährung. Ich denke, dass sie sich hauptsächlich von dem im Becken befindlichen Holz und von eventuellem Aufwuchs ernährt haben, Algen waren und sind jedenfalls in diesem Becken zu keiner Zeit sichtbar und die reichlich vorhandenen Ausscheidungen und Holzspäne am Boden trugen ihren Teil zu dieser Annahme bei.
So schlecht dürfte den Fischen ihre Diät nicht bekommen sein, da sie sich schlussendlich ja auch nach Erreichen der Geschlechtsreife brav und erfolgreich vermehrt haben.
Und ob die vielen in diversen Aquarien zu sehenden kugelrunden L 134 alles Weibchen mit deutlichem Laichansatz sind, wage ich einmal zu bezweifeln. Meine Tiere wirken zwar wohlgenährt, einen Kugelbauch weisen aber nur Weibchen in der Laichzeit auf. Jedenfalls kann ich mich nach meinen Erfahrungen den Empfehlungen zu sehr starker und reichlicher Fütterung dieser Tiere nicht anschließen.
Während zur alleinigen Haltung des L 134 auch normales mittelhartes Leitungswasser ausreicht, empfiehlt es sich bei angestrebter Zucht doch, die Wasserwerte seines Heimatgewässers zumindest in gewissem Rahmen nachzuahmen. D.h., weiches, leicht saures und sauerstoffreiches Wasser ist anzustreben, geringe Werte an Abbaustoffen wie diversen Stickstoffverbindungen und Phosphaten verstehen sich von selbst als empfehlenswert.
Starke Strömungen im Becken sind nicht notwendig, die Tiere scheinen sich bei allzu großen Turbulenzen sogar bevorzugt in strömungsberuhigten Bereichen des Beckens aufzuhalten. Ich habe nach anfänglichen Versuchen mit vier Strömungspumpen im Becken zwei davon wieder entfernt und an deren statt zum Sauerstoffeintrag einen feinperlenden durch eine Membranpumpe betriebenen Luftausströmer montiert, was einerseits den dünenartigen Sandverwehungen ein Ende gesetzt und andererseits die Tiere dazu veranlasst hat, sich in allen bodennahen Bereichen des Beckens aufzuhalten. Man will seine Tiere ja zumindest gelegentlich zu Gesicht bekommen.
Um L 134 nachzuziehen, muss man zuallererst einmal Geduld aufbringen. Die Tiere müssen ausgewachsen sein und die Geschlechtsreife erlangt haben. Das ist etwa mit einem Alter von zwei Jahren und einer Totallänge von etwa 8 cm der Fall. In diesem Alter weicht dann auch die hübsche und regelmäßige breite Streifenmusterung der Halbwüchsigen einem dünneren und ungeordneteren Streifenmuster mit einem größeren Braunanteil, die Tiere sind subjektiv nicht mehr „so hübsch



Links halbwüchsiger L 134 mit wunderhübschem Zeichnungsmuster und rechts ausgewachsenes Männchen mit unregelmäßigerer Zeichnung und auch am Vorderkörper schwach erkennbarem Odontodenbewuchs.


Weiter ist eine Absenkung der Leitfähigkeit und eine leichte Ansäuerung des Wassers vor allem zum erstmaligen Nachziehen von Wildfangtieren sicherlich auch von Vorteil.
Ich konnte meinen ersten Nachzuchterfolg nach fast zwei Jahren Haltung schließlich im März 2002 bei Wasserwerten von 2° dgH, 0° dkH, etwa 120 µS/cm und einem pH Wert von knapp 6 erzielen. Inzwischen wurden die L 134 von anderen Aquarianern aber auch schon bei „mittleren“ Wasserwerten nachgezogen, was auch immer das heißen mag. Ich habe diese Werte, „sehr weich“ und „leicht sauer“, sprich Leitfähigkeit 80 - 200 µS/cm, KH 0 und pH 5,5 - 6,5 bis heute in meinem L 134 Becken beibehalten.
Die Geschlechter zu unterscheiden, ist bei dieser Harnischwelsart auch nicht immer ganz einfach, bei Halbwüchsigen meiner Erfahrung nach sogar kaum möglich. Erwachsene Männchen weisen im Gegensatz zu den Weibchen einen starken Odontodenbewuchs vor allem am Schwanzstiel auf („Dreitagesbart“; welcher aber auch nur zur Laichzeit deutlich sichtbar wird und bei meinen Tieren zumindest außerhalb der Laichaktivitäten zurückgebildet wird. Aufgrund des Odontodenbewuchses erscheinen die Männchen dann auch weniger kontrastreich gezeichnet als die Weibchen. Auch an den Brustflossen sind diese „Stacheln“ bei den Männchen verstärkt zu erkennen, bei meinen eigenen Tieren war dieses Merkmal aber niemals wirklich offensichtlich.
Weibchen mit deutlichem Laichansatz erscheinen natürlich auch viel fülliger als Männchen.

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Deutlich erkennbar ist der starke Odontodenbewuchs beim brütenden Männchen auf den linken beiden Bildern, während beim Weibchen auf dem rechten Bild kaum Bestachelung sichtbar ist.


Wenn man es dann geschafft hat, alle Bedingungen zu erfüllen und auch Tiere beiderlei Geschlechts pflegt, wird ein Männchen in Laichstimmung zu allererst einmal eine Höhle besetzen, diese von eventuellem Schmutz und Sand befreien und sie kaum noch verlassen, sondern meist unter leichtem Schwanzwedeln darin hocken und auf ein laichbereites Weibchen warten. Ist ein Solches vorhanden, wird es sich immer öfter in der Nähe der Höhle aufhalten und dann schlussendlich zum Männchen in die Höhle eindringen. Dass sich zwei Tiere innerhalb einer Laichröhre aufhalten, muss aber nicht sofort zum Ablaichen führen, meist dauert es mehrere Tage oder Wochen und es bedarf einiger Besuche des Weibchens, bis es dann endgültig soweit ist. Dass ein erfolgreiches Ablaichen stattgefunden hat, kann man auch daran erkennen, dass das Männchen sich gar nicht mehr aus der Höhle locken lässt und nun weitaus intensiver und ohne Pause mit den Flossen fächelt, um die Eier mit sauerstoffreichem Wasser zu versorgen.
Nun kann man nur hoffen, dass man ein pflichtbewusstes Männchen besitzt, das den Laich und anschließend die Larven gut pflegt und nicht eventuell die Eier frisst bzw. die Larven aus der Röhre wedelt.
Die Gelegegröße beträgt maximal etwas über 40 Eier, jedoch kommen auch oft kleine Bruten mit nur ganz wenigen freischwimmenden Jungfischen vor. Ich hatte pro Gelege zwischen 7 und 29 Jungfische erzielt.
Mein erstes Zuchtmännchen hat seine Aufgaben immer vorzüglichst erledigt und etwa zweieinhalb Wochen nach dem Ablaichen fertig entwickelte Jungfische von etwa 1,3 cm Totallänge, welche auch sofort aktiv auf Nahrungssuche gegangen sind, aus der Röhre entlassen. Falls aber Larven mit noch großem Dottersack aus der Bruthöhle gewedelt werden, können auch diese in einem gut durchlüfteten Extrabehälter relativ problemlos aufgezogen werden, wie es einige mir bekannte Aquarianer leider tun mussten.
Ein „guter Vater“ ist Goldes wert, denn als mein Zuchtmännchen im Februar 03 aus ungeklärter Ursache plötzlich in den Fischhimmel aufstieg, war es mit dem Jungfischsegen vorbei. Ein Ersatzmännchen hat kein Gelege durchgebracht, die Eier aufgefressen oder was auch immer. Erst im Mai diesen Jahres, nachdem ich ein neues Männchen gegen ein vermutliches Weibchen (welches sich später dann doch als Männchen herausgestellt hatte) eingetauscht hatte, ging es auf Anhieb wieder mit dem Brüten los. Auch meine ältesten Jungfische vermehren sich inzwischen erfolgreich.
Wenn die Jungfische dann allerdings einmal freischwimmen, sprich an den Scheiben des Aquariums kleben, steht man vor der Frage „Umsetzen oder nicht“. Johannes Leuenberger und Roland Kipper, welche damals die beiden einzigen mir bekannten erfolgreichen Züchter vom L 134 waren, hatten mir dringend empfohlen, die Jungfische in einem ins Elternbecken gehängten Aufzuchtbehälter großzuziehen, da sie sehr empfindlich seinen und im Elternbecken verhungern würden.



Wenn der Vater die Eier oder Larven aus der Höhle wirft, können diese in einem Einhängbehälter relativ problemlos groß gezogen werden.



Jungfische am ersten Tag nach dem Freischwimmen mit etwa 13 mm Gesamtlänge.

Sie gehen sofort an das angebotene Futter, wie man an den Ausscheidungen sehen kann, und suchen Deckung am Holz, an dem sie auch vom ersten Tag an raspeln.
Also wurden die Jungfische, welche übrigens ziemlich leicht zu fangen sind, da sie meist an der Frontscheibe kleben, in einen mittels Plastikbehälter, Fliegengitter und Silikon selbst gefertigten Aufzuchtbehälter gesetzt, welcher kurz vor dem Auslaufrohr des Außenfilters platziert war und zusätzlichen Wasseraustausch durch einen kleinen luftbetriebenen Schaumstoffpatroneninnenfilter erfuhr, der Wasser über ein verlängertes Auslaufrohr vom Hauptbecken kontinuierlich in den Aufzuchtbehälter tröpfelte.
Durchgehender Wasseraustausch scheint für die Aufzucht der Jungfische äußerst wichtig zu sein.
Ein kleines Stück weiches Mangrovenholz wurde in den Behälter gelegt, welches die Jungfische auch sofort als Deckung nutzten und an welchem sie von Anfang an brav nagten. Gefüttert wurden die kleinen L 134 ausschließlich mit Futtertabletten verschiedenster Marken, meist vor dem Verfüttern mit Vitamintropfen von Dennerle versetzt. Sie schienen aber auch von Beginn an Holz aufzunehmen. Der Boden des Aufzuchtbehälters wurde natürlich täglich abgesaugt und mittels eines kleinen Pinsels gereinigt. Auf diese Art und Weise hatte ich kaum Ausfälle zu verzeichnen - zwei Tiere von 29 freischwimmenden Jungfischen bei der ersten Brut - und fast alle Jungfische entwickelten sich ausgesprochen gut (bei Nachzuchten in diesem Jahr hatte ich dann allerdings deutlich höhere Ausfallsquoten, Gründe dafür sind mir selbst nicht klar). Nach einigen Wochen, mit etwa 2,5 bis 3 cm habe ich die Kleinen dann ins Elternbecken entlassen, wenn man Glück hat, wartet dann auch schon die nächste Brut in der Röhre des Vaters.
Obwohl mir davon abgeraten wurde, ließ ich auch einmal eine Brut im Elternbecken und setzte sie nicht in den Aufzuchtbehälter um. Erstaunlicherweise gingen die Kleinen von Anfang an aktiv auf Nahrungssuche, sprich, eine ins Becken geworfene Futtertablette wurde bald von den Winzlingen umlagert, welche sich nur mit den im Becken vorhandenen Posthornschnecken um ihr Futter prügeln mussten. Meine Altfische beachteten das Tablettenfutter ja nicht, und so wuchsen die Jungtiere im Elternbecken mindestens genauso schnell und gut auf wie im extra Aufzuchtbehälter, kein Reden von „Verhungern“. Das mag natürlich auch an meinen Altfischen und deren seltsamen Fressgwohnheiten liegen
An Gemüse waren die Jungen übrigens auch nicht interessiert.
Die inzwischen ja erwachsenen Jungfische der ersten Generation gehen auch jetzt noch, wenn auch nicht mehr ganz so gierig wie in ihren ersten Tagen, auf Tablettenfutter und anscheinend dadurch animiert nehmen inzwischen auch die alten Wildfang - L 134 Tabletten an.
Das Wachstum der Jungfische geht übrigens sehr unterschiedlich schnell voran. Während am Anfang ein fortschreitend starkes Wachstum zu beobachten ist, nach zwei Monaten haben manche schon deutlich die 3 cm Marke überschritten, geht es ab einer Größe von etwa 4 - 5 cm nur noch langsam weiter, sodass die Tiere fast zwei Jahre brauchen, um ihre Endgröße von etwa 8 bis 10 cm Totallänge zu erreichen.



Besonders hübsch und "niedlich" sind halbwüchsige L 134 mit etwa 3 - 5 cm Länge.


Abgeben kann man die Jungfische meiner Erfahrung nach problemlos ab einer Größe von gut 3 cm, sie sind dann auch nicht mehr sehr empfindlich. Aber auch die ganz jungen Tiere sind erstaunlich hart im Nehmen. Ich musste einmal einen gerade freischwimmenden Jungfisch aus der Toilette fischen, wo er versehentlich inklusive Schmutz und Wasserlinsen gelandet war. Der Jungwels hat es Gott sei Dank ohne irgendwelche Schäden überstanden und schwimmt noch heute (hoffentlich) gesund und munter bei einem befreundeten Aquarianer in St. Pölten. Und gerade diesen August gingen drei noch nicht mal drei Wochen alte Winzlinge auf die große Reise von Wien nach Bochum, auch das ohne Probleme.
Kurz zusammengefasst kann man sagen, dass die entscheidenden Punkte für die Zucht neben einem gut pflegenden Vater vor allem gute Wasserbedingungen und genügend verfügbares Futter für die Jungfische darstellen, dann ist die Aufzucht, wie bei den meisten ancistrinen Harnischwelsen, nicht sonderlich schwierig.
Ich bezweifle allerdings stark, ob jemals alleine durch Nachzuchten die große Nachfrage nach diesen vor allem im Halbwüchsigenstadium wunderhübschen kleinen Harnischwelse befriedigt werden kann und kann nur hoffen, dass möglichst wenige dieser Tiere nur als Schmuck von diversen Fischhaltern gekauft werden, sondern vor allem Aquarianer diese Tiere pflegen werden, die ihnen auch halbwegs artgerechte Lebensbedingungen bieten können und wollen und bei denen vielleicht sogar durch derart faszinierende Tiere einige Gedanken an deren stark bedrohte tropische Heimatbiotope wachgerufen werden.


Literaturhinweise:

Evers, H-G. (2003):
• „Traumhaft schön: Peckoltia sp. L 134“, Aquaristik Aktuell 5/2003, S. 12 - 16
• „Die Heimat der Perlenrochen“, Aquaristik Fachmagazin & Aquarium Heute 174, S. 108
Schlüter, Michael (2003):
• „L-Welsfang am Rio Tapajos“, Aquanet.de, https://www.aquanet.de/beitraege/Top...1102941282.asp (nur für zahlende Mitglieder)


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Malte001
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