Hi,
Zitat:
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Zitat von L172
Und Armbuster erkennt ja Panaqolus und Scobinancistrus immerhin als Untergattungen an ;-))
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seit wann?
Ich kenne nur das Zitat ala "könnte maximal Untergattungsstatus zugebilligt werden".
@Motoro:
Das alles ist nicht so ganz leicht zu verstehen.
Was die meisten bezüglich Abstammungslehre intus haben, ist ein sogenannter Stammbaum - d.h., dass sich immer eine Art aus einer anderen entwickelt hat, und das zu einer bestimmten Zeit.
Das ist aber nicht mehr das Hauptprinzip der modernen Systematik.
Anstatt Stammbäumen werden sogenannte Kladogramme erstellt, das sind phylogenetische Stammbäume, welche Gruppen von Arten umfassen, die aus einer gemeinsamen Ursprungsart hervorgegangen sind.
Die Ursprungsart - egal, wo in der Hierarchie des Kladogramms platziert, enthält eine Reihe von Grundmerkmalen, sogenannten Plesiomorphien, und die einzelnen Artengruppen dann von diesem Grundbauplan abgeleitete gemeinsame Merkmale, sogenannte Synapomorphien.
Die Ursprungsart existiert nicht mehr real, aber sie könnte so einmal existiert haben.
Die speziellen Merkmale der einzelnen Arten werden Autapomorphien genannt.
Der Unterschied zum Stammbaum, wie die meisten ihn sich vorstellen, ist also, dass es keine gemeinsame real existierende Ursprungsart gibt und dass es immer nur eine zweiästige Verzweigung gibt, die einzelnen Äste nichts über die Gewichtung der Merkmale und die Verzweigungspunkte nichts über Zeiträume aussagen.
Ist eigentlich auch nicht so schwer zu verstehen und irgendwie logisch, irgendwann vor +/- langer Zeit hat einmal eine Art existiert (?), die sich in zwei unterschiedliche Richtungen weiterentwickelt hat, die Art selbst gibt es heute nicht mehr.
Das "Problem" hierbei ist nun, anhand welcher Merkmale man derartige Kladogramme erstellt.
Armbruster & Co. erstellen ihre Kladogramme anhand knochenbaulicher Merkmale.
Man kann aber derartige phylogenetische Stammbäume auch anhand anderer Merkmale erstellen, z.b. genetischer Merkmale (Gensequenzen, Christian/L 172 könnte da viel mehr darüber erzählen, wenn er nur wollte

), morphologischer Merkmale (Äußerlichkeiten), theoretisch auch verhaltensbiologischer Merkmale, ...
Was Armbruster macht, ist also in gewissen Grenzen schon sehr gut und sinnvoll, andererseits aber doch auf einen sehr (zu?) eingeschränkten Merkmalsbereich beschränkt. Vor allem "biegt er sich manches zurecht", damit sein ganzes Gesamtbild zusammenpasst. Es passt also noch nicht so ganz, wie er es gerne hätte.
Deshalb ist aber Prof. Armbruster noch lange nicht seltsam oder Ähnliches, Konfrontationen mit anderen Ansichten/Meinungen sind und waren vorprogrammiert. Die hat es in der Wissenschaft immer gegeben und die wird es immer geben.
Armbruster ist immerhin einer der derzeit führenden Wissenschaftler weltweit bezüglich Loricariiden.
Und ganz so "einfach" wie vor 100 oder 200 Jahren ist eben das Beschreiben von Arten bzw. Erstellen von Stammbäumen oder Kladogrammen (die gibt es erst seit etwa 50 Jahren) heute nicht mehr. Mehr Arten, mehr Wissen, mehr Merkmale, mehr Widersprüche...