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Alt 16.12.2003, 12:48   #1
lfan
Jungwels
 
Registriert seit: 31.01.2003
Beiträge: 46
Hallo liebe Leute,

nachdem meine letzten Beiträge in diesem Forum teilweise zu Ratlosigkeit oder Unverständnis geführt haben - war für mich nach meinen Erfahrungen in der Discusszene eigentlich vorhersehbar - möchte ich nun einige meiner Grundgedanken bzgl. der Thematik Parasiten und deren Bekämpfung, bzw. Vermeidung zur Diskussion stellen.

1. Woher kommen die Parasiten?

Natürlich gibt es in den Heimatgewässern unserer Pfleglinge die verschiedensten Arten von Parasiten. Angesichts der riesigen Wassermengen ist deren Konzentration aber vernachlässigbar gering, sodass ein Fisch sich nur selten infiziert. Bei einer derart geringen Belastung wird das Immunsystem des Fisches, sofern dieser ansonsten gesund ist, durchaus damit fertig.
Bei einem Gespräch im Jahr 1998 teilte mir Herr Dieter Untergasser mit, dass er bei wiederholten Untersuchungen bei frisch gefangenen Tieren nie einen Parasitenbefall feststellen konnte.
Hieraus muss man zwangsläufig folgern, dass unsere Tiere entweder auf dem Weg bis in unserer Aquarien, d.h. bei der Zwischenhälterung im Gross- und Einzelhandel, oder erst in unseren Aquarien infiziert werden.
Meiner Meinung nach trifft hier beides zu. Bei der ständigen Fluktuation der Tiere im Handel - leider werden die Becken vor einem Neubesatz nur äusserst selten gründlich desinfiziert - wird man dort wohl ein grosses Sammelsurium an Parasiten der verschiedensten Arten und Herkunft vorfinden können. Diese Plagegeister bringen unsere Fische also meist schon beim Kauf mit.
Ein weiterer Infektionsweg ist das Futter aus dem Süsswasserbereich, auch in gefrostetem Zustand!!!!
Diese Erkenntnis ist nicht auf ´meinem Mist´ gewachsen sondern wurde in akribischer Kleinarbeit von Experten wie G. Rahn, Dr. Menauer und. D. Untergasser gewonnen. Ich habe diese Tatsache in der Vergangenheit durch das Verfüttern dieser Futtersorten (Kleinkrebse wie Cyclops, Moina, etc. sowie versch. Sorten Mückenlarven) in gefrosteter Form bei meinen Discusnachzuchten oft reproduzieren können.
Ich möchte nun nicht behaupten, dass eine einmalige Fütterung sofort eine Infektion hervorruft. Aber bei zunehmender Dauer über einen langen Zeitraum hinweg nimmt die Wahrscheinlichkeit für eine Wurminfektion deutlich zu.

2. Vor einer Behandlung - die Diagnose:
Eine vorliegende Wurminfektion lässt sich in den seltensten Fällen mit dem blossen Auge erkennen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man einen ausgewachsenen Band- oder Fräßkopfwurm im Aquarium zu sehen bekommt ist sehr gering - kaum ein Parasit wird seinen Wirt freiwillig verlassen. Mit dem Verfüttern von Knoblauch kann man hier jedoch etwas nachhelfen. Leider sind aber nicht alle Würmer mit dem blossen Auge zu erkennen. Viele Nematoden und Capillaria sind einfach zu klein.
Bei mikroskopischen Untersuchungen des Kotes unserer Fische kann man bestenfalls Eier der Würmer nachweisen. Eine genaue Bestimmung der vorhandenen Parasiten ist so nicht gerade einfach. Eine exakte Bestimmung liefert nur eine Sektion des befallenen Tieres. Bei Wurninfektionen funktioniert dies auch wenn die Untersuchung kurz nach dem ´natürlichen´ Ableben eines Fisches vorgenommen wird, falls man nicht bereit ist ein Tier für die Diagnose zu opfern.
Für eine gezielte Behandlung ist eine exakte Diagnose unbedingt erforderlich, da die Zyklusdauer der Parasiten bekannt sein muss. Ein Medikament kann zwar die lebenden Parasiten töten, vorhandene Eier werden aber nicht angegriffen. Hieraus folgt, dass mindestens eine weitere Behandlung durchgeführt werden muss bevor die dann geschlüpften Würmer erneut zur Eiablage schreiten.

3. Die Behandlung:
Der Fall mit dem Fräßkopfwurm von Sturi hat mich wieder einmal in meiner Meinung bestätigt, dass der Einsatz ´herkömmlicher´ Medikamente bei unseren Welsen äusserst heikel ist. Auch sind die Nebenwirkungen einiger Mittel wie z.b. Concurat oder Praziquantel nicht zu unterschätzen. In Zusammenarbeit mit einigen Kollegen aus der Discusszene konnten wir bei Nachuntersuchungen Schädigungen der inneren Organe, insbesondere der Leber, feststellen.
Die von mir entwickelte und bereits im Forum beschriebene Langzeittherapie mit Flubenol 5% scheint mir hier ein guter Kompromiss zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit zu sein. Ich hatte während der Behandlung keine Ausfälle zu beklagen und die Tiere fühlten sich so wohl wie immer und laichten kontinuierlich weiter. Bei Nachuntersuchungen konnten keine weiteren Schädigungen ermittelt werden. Wegen der Dauer der Therapie konnte ich eine ´breitbandige´ Wirkung erzielen, da hier die unterschiedlichen Entwicklungszyklen der Parasiten keine Rolle mehr spielten. Mit der Therapie habe ich seinerzeit Bandwürmer, Capillaria und Kiemenwürmer gleichzeitig erfolgreich bekämpft.
Die Methode ist reproduzierbar. Ich habe inzwischen zwei Würfe Antennenwelse, die auch in einer parasitenbelasteten Discusanlage gezogen wurden auf die gleiche Weise erfolgreich behandelt.

4. Persönliches Fazit:
Da unsere Tiere in der Natur kaum von Parasiten behelligt werden gehört für mich die ´parasitenfreie Haltung´ einfach zu den Bedingungen einer ´artgerechten Haltung´ dazu. Durch die Entwicklung einer wirksamen und verträglichen Behandlungsform hatte ich hier die Möglichkeit meine Anlage ein für alle Mal von den unerwünschten Plagegeistern zu befreien. Durch Vorsichtsmassnahmen wie z.B. die Behandlung meines Frostfutters in der Microwelle vermeide ich eine erneute Reinfektion. Meine Anlage läuft jetzt seit 2 Jahren in diesem Status Quo und ich hoffe, dass ich auch in Zukunft auf einen weiteren Medikamenteneinsatz verzichten kann. Zur Kontrolle werden noch zweimal im Jahr regelmässig mikroskopische Untersuchungen durchgeführt, die bislang immer ohne Befund waren. Ohne diese regelmässigen Kontrollen wäre die Behauptung ´parasitenfrei´ zu sein nicht aufrecht zu erhalten.
Meine Tiere scheinen mir diese Massnahmen mit zunehmender Produktivität zu danken und fühlen sich sichtlich wohl. Auch von den im Forum diskutierten ´Laichpausen´ beim L-46 kann ich nichts bemerken. Seit etwa einem Jahr laichen die Tiere bei mir kontinuierlich ab...

Sicherlich bietet dieser Beitrag wieder einigen Spielraum für Diskussionen. Letztendlich ist jeder Aquarianer verpflichtet, seinen Schützlingen eine optimale Form der Hälterung zu bieten - auf welchem Weg auch immer. Bedauerlich finde ich allerdings, dass man sich über derartige Themen erst dann Gedanken macht, wenn die Pfleglinge einen gewissen Wert darstellen. Auch ein Guppy oder ein Neon hätte doch die gleichen Ansprüche an uns Aquarianer zu stellen.

Ich freue mich auf Eure Reaktionen und wünsche Euch schonmal vorab ein schönes Weihnachtsfest und ein gesundes und glückliches neues Jahr 2004.


Liebe Grüsse
Uwe (lfan) :hi:
http://www.welshome.de
lfan ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.12.2003, 14:19   #2
Line
L-Wels King
 
Benutzerbild von Line
 
Registriert seit: 22.08.2003
Beiträge: 563
Images: 6
Hallo Uwe

Ich kann nur danke sagen und viel Lob an dich, weil du uns mit deiner Wissen so beteiligt.
:spze: :spze: :spze: :spze:

Gruss
Line
Line ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 16.12.2003, 15:14   #3
Coeke
 
Beiträge: n/a
Hi,

soll das jetzt ein Aufruf sein unsere Becken prophylaktisch zu medikamentieren?

Zitat:

Bedauerlich finde ich allerdings, dass man sich über derartige Themen erst dann Gedanken macht, wenn die Pfleglinge einen gewissen Wert darstellen.
..oder das Kind schon im Brunnen liegt.

Ich versuche meine Becken durch häufigen Wasserwechsel parasiten-reduziert zu halten. Dies ist mir möglich, weil ich Fische halte, die meinem Leitungswasser angepasst sind. So kann ich zumindest in den Haltungsbecken ohne Wasserpanscherei nach Herzenslust Frischwaser nachfüllen, ohne das die Fische jedesmal einen nachhaltigen Schock erleiden. Auch das gehört für mich zur artgerechten Haltung.

Ich finde auch, das Aquarienneulingen, die nicht mal die Grundkenntnisse der Wasserchemie haben , dazu geraten werden werden sollte. Erst mal Erfahrungen mit Fischen sammeln, die in dem jeweiligen Leitungswasser gut aufgehoben sind.

Das ist nur meine Meinung. Achso: Ich folge keinem Altwasser- Filterlos- und Sonstwasguru. Habe keine 100 Aquarien-Bücher Informiere mich aber über die Bedürfnisse meiner Pflegling und mache mir sehr viel eigene Gedanken über deren Haltung.

Gruß,

Corina

Edit:
@Uwe: Soll keine Meckerei sein, denn grundsätzlich finde ich Deine Einstellung schon richtig.
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